img_9873Noch nicht genau klar darueber, wo wir uebernachten werden (aber in Richtung Mornington Halbinsel, Phillip Island und Wilsons Promontory unterwegs), fanden wir es irgendwie lustig, die Faehre zur anderen Seite der Philipp Bay zu nehmen (wir waren schon seit ein paar Tagen nicht mehr auf einem Schiff), statt um sie herum und durch Melbourne zu fahren.   Wir hatten die vergangenen Nacht wild gecampt, deshalb war es Zeit fuer ein bisschen Zivilisation – wir haben den letzten Platz mit Stromanschluss auf dem “Australia Day” ueberfuellten Camp Ground ergattert, unsere Laptops und Telefone zum Aufladen eingestoepselt, und sind dann zum nahegelegen Point Lonsdale spaziert fuer ein “Bergfest”-Dinner und Australischen “Cider” (sehr zur unserer positiven Ueberraschung ist der Cider in Australien zu einem Kult stilisiert worden).

Nach einer kurzen Faehrueberfahrt am naechsten Morgen, haben wir spontant den geplanten Besuch von Phillip Island uebersprungen (die Kommerzialisierung der Pinguin-Parade und erwarteten 40,000 Besucher der 7,000-Einwohner-Insel haben uns nicht zugesagt) und sind die Mornington-Halbinsel entlang gefahren, die wie das Hunter Valley ebenfalls eine beruehmte Weinregion ist.  Wir sind von der Hauptstrecke abgebogen und auf Nebenstrassen durch die Huegellandschaft gefahren, und – was war das?  Weinverkostung?  ”Wenn du drauf bestehst”, sagten wir und besuchten das eine oder andere Weingut, um einheimischen Shiraz, Verdelho und Cabernet-Sauvignon zu verkosten und den besten kaeuflich zu erwerben.

Wir fuhren in Richtung Wilsons Promontory, einer Halbinsel, die den suedlichsten Punkt Australiens beherbergt (allerdings ist es eine Wanderung auf einem 20-km-Rundweg dortin, welche wir aufgrund mangelnden Schuhwerks und der Sommerhitze aber nicht im Traum zu unternehmen wagten).  Die Halbinsel ist jedenfalls sehr schoen.   Ueppige Natur, hohe Berge, eine reiche Tierwelt, goldene Straende, der blaue Ozean, und eine Camping-Stadt namens Tidal River.  Wieder waren wir uns nicht sicher, ob wir auf dem Campingplatz unterkommen konnten, aber als die Buchung getaetigt war, waren wir umso gluecklicher, haben uns sofort wohl gefuehlt und uns mit den Kakadus und Lorikeets angefreundet.  Wir haben in unserer kleinen Kueche was zu Essen gekocht, uns eine Flasche Wein oder drei gegoennt und die extrem deutlich erkennbare und bilderbuch-schoene Milchstrasse und das Kreuz des Suedens bewundert.  Ryan sagte “Was jetzt noch fehlt ist ein Wombat”, und ich frag mich wie er es bewerkstelligte, aber keine 20 Sekunden spaeter kam ein Wombat aus dem Dickicht zu uns herueber und graste vor unserem Campervan.  Das lockte auch gleich die ganze Nachbarschaft zu uns und war eine kleine Sensation.

Von Point Lonsdale via Fahre nach Sorrento und weiter bis Tidal River im Wilsons Promontory Nationalpark, 245 km.

Der naechste Tag begann mit einem Spaziergang zum nahegelegenen Norman Beach, gefolgt von einem Geocache am Squeaky Beach (der Sand quietscht, wenn man entlang laeuft), und einer langen Fahrt nach Norden.  In bereits drei Tagen war unser Trip zu Ende, und wir wollten so schnell wie moeglich die Naehe von Sydney erreichen – man weiss ja nie.  Wieder ging es durch eine sehr laendliche Umgebung, Huegellandschaften, die Hochebenen der Great Dividing Range, um Canberra herum bis zum ‘Lake George’, welcher eine praktischen Uebernachtungsmoeglichkeit fuer uns darstellte und uns fast bis zu den Blue Mountains bei Sydney brachte.  Der Lake George (wie wir bei unserer Recherche herausfanden) ist einzigartig, da der Wasserspiegel stark von voll bis ausgetrocknet schwankt.  Wir sind erst nach Sonnenuntergang dort angekommen und hatten nur noch ein paar Minuten bis zur kompletten Dunkelheit, um auf einer einsamen geocache-bestuckten Raststation des Highways einen Platz fuer unseren Campervan zu finden.  Ich bin heute 744 km auf kurvigen Landstrassen gefahren und war dementsprechend ausgelaugt.  Habe gut geschlafen :-)

Von Tidal River zum Lake George, 744 km.

Bei Tageslicht entpuppte sich der See als trocken and wir haben keine Zeit verschwendet, nach Wasser zu suchen, sondern haben uns stattdessen den Weg nach Norden fortgesetzt.  Zwischen dem Highway und der Great Alpine Road zu entscheiden war einfach, und auch ob wir zu den Jenolan-Hoehlen abbiegen oder nicht, als wir das Schild sahen.  Wir hatten zuvor nicht von den Hoehlen gehoert und waren deshalb nicht auf einen Besuch vorbereitet aber unsere Offenheit fuer spontane Ideen war ja ein Grundcharakter unserer Reise (wir hatten eine ungefaehre Ahnung von unserer Route, aber liessen uns von den Details ueberraschen).  Die Hoehle war interessant, aber kein Vergleich zu der Grotta Gigante in Italien oder the Postojna-Hoehle in Slowenien.  Wir haben aber trotzem die Stalagmiten, Stalaktiten, Helektiten, Saeulen und Vorhaenge der Orient-Hoehlen bewundert, und wieder draussen, eine riesige Herkules-Motte und einen scheuen, niedlichen Platypus.

Von Lake George bis Katoomba, 306 km.

Der kleine Huepfer von Katoomba nach Sydney am naechsten Morgen war unspektakulaer, und der Verkehr in Sydney passend, um uns ins wahre Leben zurueckzuholen. Es war ein fantastischer Road Trip – bei Google Maps gibt’s die gesamte Route. Die 3.600 km / 2.250 Meilen (laut Tacho) entsprechen der Distanz zwischen Miami, Florida und Tucson, Arizona in den Staaten, oder Barcelona, Spanien und Moskau, Russland, in Europa.